Zurück dahin wo ich war

Wenn Mesfun Samson dies sagt, meint er nicht, dass er zurück nach Eritrea will. Von dort ist er anfangs 2007 geflohen. In Eritrea beherrscht die Einheitspartei PFDJ (People’s Front for Democracy and Justice) das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben des Landes. In diesem Umfeld studierte der 1982 geborene Mesfun Samson bis 2004 und graduierte mit einem Bachelor in Chemie. «Ich hatte das Glück einen guten Abschluss gemacht zu haben“, sagt Samson. „So bekam ich eine gute Arbeit als Assistent an der Universität».

Denn in Eritrea konnte er sich nicht frei für eine Stelle bewerben, sondern bekam diese von der Regierung zugewiesen. Die Stelle an der Universität konnte er dann auch nach einem Jahr zur Probe behalten - bis er 2007 aus Eritrea floh.

But you don't have any choice

„Der Weg in die Schweiz war gefährlich“, sagt Samson. So durchquerte er die Sahara auf einem Toyota – der dreissig bis vierzig Leute geladen hatte. «Wir brauchten 21 Tage», so Samson. In dieser Zeit hätten sie wenig zu essen und zu trinken gehabt. «Dabei dauert die Durquerung der Sahara 2 Wochen bis zwei Monate – oder man stirbt». Der Weg in die Schweiz ist keine vergnügliche Abenteuerreise, so wartet niemand gerne in Lybien auf eine Überfahrtsmöglichkeit – gleichzeitig schätzt Samson die Chance, dass eine Mittelmeerüberquerung nach Italien gelingt auf 50%. Eine gefährliche Reise, eine teure Reise – «aber du hast keine andere Wahl». Und mit neun Monaten war sie relativ kurz.

Einfach nur warten bedeutet eine Menge Stress

Zwei Jahre und einen Monat dauerte es bis sein Asylantrag bearbeitet war. In dieser Zeit wohnte Mesfun Samson in Muri und Wohlen, wo er sich ein Zimmer mit neun anderen Flüchtlingen teilte. Pro Tag erhielt er sieben Franken. Neben einem halbjährigen Deutschkurs konnte er vier Monate in einem Sozialprogramm des Kantons Aargau arbeiten. Dort reinigte er Strassen, jätete und pflegte Gärten – unbezahlt versteht sich.  Das schlimmste sei jedoch die Zeit gewesen in der er nichts zu arbeiten hatte, respektive nicht arbeiten durfte. 

Denn im Aargau ist es Flüchtlingen deren Antrag noch nicht bearbeitet wurde zumeist nicht erlaubt, zu arbeiten. «Ein Jahr habe ich einfach nur gewartet und als Begleiter nichts als Sorgen», erzählt Samson. Die ganze Zeit habe er sich nur gefragt «was wenn?».   

As a human being

«Ich habe zwei Jahre mit nichts verbracht», sagt Samson. «Nun muss ich zeigen, dass ich von tief aus meinem Herzen heraus arbeiten will und dass ich eine hart arbeitende Person bin.»Denn als Mensch habe er ein Ziel, als Mensch habe er einen Traum, den er zur Realität werden lassen wolle. Am 11. Februar 2010 erhielt er die Aufenthaltsbewilligung B. «Und damit eröffneten sich für meine Zukunft wieder alle Wege», so Samson. Eineinhalb Monate später fand er ein Studio – ironischer weise nicht fern der Baracken in denen er die letzten zwei Jahre verbracht hatte. Dankbar ist er Freunden, die ihn ermutigten seine Zukunft zu planen und darauf hinzuarbeiten. 

«Ich bin am schauen, am suchen, am Fragen und hungrig meine Ausbildung weiterzuführen», sagt Samson. Auch wenn er viel verloren habe, da er flüchten und danach auf einen Entscheid warten musste ist er überzeugt: «Es wird einige Jahre dauern, aber ich werde meine Ziele realisieren.»

Back to the Future

«Ich will das zurückgewinnen, was ich bereits besass», weiss Mesfun Samson. Dafür arbeitet er hart und beginnt fernab seines eigentlichen Ziels. Am Morgen besucht er Deutschkurse, danach arbeitet er als Hilfskoch in einem Restaurant. «Dies hilft mir mein Deutsch zu verbessern», sagt Samson.Nächstes Jahr will er sich für Praktika in der Chemie bewerben. «Ich werde unten anfangen und mich wieder hocharbeiten.» Parallel will er sich darum bemühen einen Masterstudiengang absolvieren zu können – sein Bachelordiplom ist vom Bund bereits insofern gutgeheissen worden, dass die Universitäten dieses akzeptieren können. «Das ist mein Ziel und dafür arbeite ich hart», sagt Samson. «Keinem fällt das Glück einfach in den Schoss, sondern jeder muss hart arbeiten und alles einsetzen was er kann.»

Beobachten und sich integrieren

«Keinem fällt das Glück einfach in den Schoss, sondern jeder muss hart arbeiten und alles einsetzen was er kann.» Wer einfach nur zu Hause sitze, habe keine Chance sich zu integrieren. Man müsse beobachten und sich selber aktiv in die Gesellschaft integrieren, meint Mesfun Samson. Dafür sei es hilfreich zu arbeiten. Denn so komme man in Kontakt und könne auch eine fremde Kultur verstehen lernen. Dabei sei der positive Aspekt auch, dass man die Sprache lerne. Zudem legt Samson Wert auf Selbstständigkeit. Irgendwie müsse man zu Geld kommen – «und ich habe zwei Hände». Arbeit sei notwenig um glücklich zu sein. Auf den Punkt gebracht: «Als Mensch muss man arbeiten.»